Bartsteuer – Wer Bart trug, musste blechen!

Für den modernen Bartträger von heute kaum vorstellbar – die Bartsteuer. Dein Bart als Wohltäter für die Allgemeinheit? Klingt im ersten Moment nach einer soliden Sache, wäre da nur nicht das fette Loch, welches es in deine Finanzen reißen würde. Eine Besteuerung der bärtigen Pracht klingt für unsere Ohren einfach nur absurd, aber es gab Zeiten, da waren große Bärte alles andere als angesagt und dabei richtig teuer.



Das miese Treiben mit der Steuer

Steuern sind keine Erfindung des 20. Jahrhunderts und mussten schon immer für die unterschiedlichsten Güter bezahlt werden. Findige Regenten waren in den letzten Jahrhunderten mehr als einfallsreich, wenn es darum ging dem gemeinen Fußvolk das Geld abzuknüpfen. Getreu dem Motto: Wer Steuern zahlt, gibt etwas für alle ab! Da wurde selbst aus der Jungfräulichkeit (Johann Kasimir Kolbe von Wartenburg) oder der menschlichen Notdurft, das Urinieren (Kaiser Vespasian), Profit geschlagen. Sehr zum Missfallen der Betroffenen, denn sie gingen bei dem ganzen Irrsinn meist leer aus.

Ohne Bart in die Moderne

Im zaristischen Russland des Jahres 1699 hat ein besonders kreativer Monarch von sich Reden gemacht. Peter der Große war ein Verfechter der Moderne und empfand sein eigenes Land als nicht mehr zeitgemäß. Während seiner Reise ins westliche Europa wurde er in seinen Ansichten nur noch bestärkt und zurück in seinem Reich war er fest entschlossen seinem Volk einen optischen Feinschliff zu verpassen. Der moderne Europäer war nahezu glatt rasiert und schmückte sich kaum noch mit einer wallenden Bartpracht; der Russe hingegen kultivierte meist aus religiösen und traditionellen Gründen das haarige Wollkleid. Sehr zum Missfallen des Zaren, denn dieser sah sich berufen sein Land bartlos in die Moderne zu katapultieren und so Russland zu einer Nation westlichen Zuschnitts zu machen. Der Bart symbolisierte für Peter den Großen Rückständigkeit und Säkularität; beides war nicht mit seinem zukünftigen Bild Russlands vereinbar. Der Bart musste also ab, ob Man(n) wollte oder nicht. Und wer sich nicht beugte wurde kräftig zur Kasse gebeten.

Bartsteuer: Bares für Bärte

Auf guten Willen und bloßes Zureden, wurde schon damals nicht vertraut. Der Zar legte sogar selbst Hand an und schor Besuchern seines Hofes den Bart; eine werbeträchtige Maßnahme für die anbrechende Neuzeit. Nichtsdestotrotz musste ein Gesetz her, welches die Bartrasur verpflichtend für jeden männlichen Bürger machte. Wer sich nicht von seinem Zausel trennen wollte oder konnte, musste einen bestimmten Betrag entrichten, der für die verschiedenen Stände unterschiedlich und unverschämt hoch ausfiel. Kaufleute der obersten Gilde mussten 100 Rubel zahlen während Kaufleute, Höflinge und Beamten geringerer Herkunft mit 60 Rubel zur Kasse geboten wurden. Alle anderen Stadtbewohner konnten sich mit 30 Rubel der Bartschere entziehen. Als Gegenzug erhielten die standhaften Bartträger eine Kupferstück, die Bartkopeke, die als eine Art Quittungsbeleg fungierte und stets mit sich zu führen war, wollte Man(n) bei öffentlichen Kontrolle der Zwangsrasur entgehen. Bärtige Stadtbesucher durften ihre Gesichtsbehaarung erst nach Entrichtung dieser Bartkopeke wieder mit nach Hause nehmen.

Bart bis in den Tod

Der missionarische Charakter der Bartsteuer brachte die Altgläubigen des Landes in einen schweren Gewissenskonflikt, da die Rasur mit Verhöhnung ihrer Gottheiten gleich kam. Der Fiskus machte selbst vor der Kirche und deren Würdenträger keine Ausnahme und so mussten auch die bärtige Diener Gottes eine ordentliche Stange Geld abdrücken behaarten sie auf ihren religiösen Zopf. Diejenigen, die sich nicht der Rasur entziehen konnten, nahmen das abgeschorene Barthaar sogar mit in den Sarg. Andere sahen keinen Ausweg als die Flucht. Mit der Regentschaft Zarin Katharina II. (1772) wurde dem Bart endlich wieder seine wuchernde Freiheit zurückgegeben und das männliche Volk Russlands durfte wieder nötigungsfrei seine ganze Pracht zur Schau stellen.
Es gibt einfach Dinge, die braucht kein Bart!!!!!!

Gardinensteuer in Holland – Freie Sicht auf reines Gewissen

Ein kleiner Leckerbissen noch zum Abschluss. Mehr Mythos als Wahrheit ist die angebliche niederländische Gardinensteuer, die der wahre Grund für das Fehlen jeglicher Gardinen unserer Nachbarn sei. Und ich dachte immer das niederländische Volk ist einfach extrem offenherzig und lässt jeden noch so fremden Straßenstreuner oder neugierigen Touristen liebend gern an ihrem Privatleben Teilhaben. Wohl nicht! Vielmehr ist diese gelebte Offenheit in der Religion verwurzelt. Der in den Niederlanden weit verbreitete Glaube des Calvinismus besagte: Wer recht schaffend lebt, hat auch nix zu verbergen. Also freie Sicht auf reines Gewissen? Vielleicht gar nicht so schlecht, so wurde das gesparte Geld in andere wichtige Sachen investiert, die unsere Nachbarn so besonders machen :-).

Quelle:
http://www.finanzfuechse.sachsen.de/index-kuriose-steuern.htm
https://de.wikipedia.org/wiki/Bartsteuer
http://www.capital.de/themen/absurde-steuern-tuer-und-fenstersteuer-kopie.html
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