Weekly Story mit Hermann Grabosch

Moin, liebe Bartliebhaber und liebe Liebhaberinnen von Bartliebharbern!

Mein Name ist Hermann Grabosch, bin (noch) 59 Jahre alt und komme aus Dortmund.
Einen Bart, der mal länger und mal kürzer und manchmal auch gar nicht da ist, trage ich seit nunmehr fast vierzig Jahren.
Meinen Beruf übe ich bei der Justizverwaltung in Dortmund aus. Als Beamter bin ich da ja einigen Vorurteilen ausgesetzt und in der Öffentlichkeit herrscht hier und dort auch noch die Ansicht, der Job ist trocken und langweilig.
Im Gegenteil: Der Bereich, in dem ich tätig bin, bringt mich tagtäglich mit vielen unterschiedlichen Menschen zusammen, mit denen ich spreche, ihnen zuhöre, sie berate, und ihr Leben begleite. Manchmal ist das fast wie beim Barbier.

Hermann Grabosch
In meiner Freizeit reise ich (nicht immer so ganz weit weg, die Nordsee reicht mir auch zum abschalten und runterkommen), mache Städtetrips (ich liebe Berlin!) und beschäftige mich neben anderem gern mit den schönen Dingen des Lebens (Essen, Trinken, Musik - von Bruckner bis Guetta).

#BeardAndShave Hermann, du sagst, dass du seit fast vierzig Jahren Bart trägst, wie hat das angefangen?

#HerrmannGrabosch Angefangen hat es eigentlich aus Langeweile.
Während meiner Bundeswehrzeit habe ich wegen eines Sportunfalls fast 8 Monate im Krankenhaus verbracht. Da habe ich einfach „wachsen lassen“.
Im Laufe der Jahre habe ich dann einiges ausprobiert. Goatee, Schnauzer, Drei-Tage-Bart und was es nicht alles gibt. Ab und zu habe ich auch mal nachgesehen, ob mein Gesicht noch da ist und mich ganz rasiert.

#BeardAndShave Aber dem Bart bist du doch treu geblieben?

#HerrmannGrabosch Na klar!
Ein Bart, das sind ja nicht einfach nur Haare im Gesicht; ein Bart, das ist auch ein Lebensgefühl.
Mittlerweile ist mein Bart ein „Silverbeard“ geworden und ich muss feststellen, das kommt sowohl bei jungen, als auch älteren Mitmenschen ganz gut an.
Aber in erster Linie fühle ich mich damit wohl!
Es gibt ja auch immer wieder nette und kuriose Reaktionen auf den Bart.
Während der weibliche Teil der Bevölkerung gelegentlich auch schon mal auf offener Straße ohne zu fragen beherzt hineingreift („der ist aber weich!“), fragt der männliche Teil, ob er „mal anfassen“ darf.
Es entwickeln sich Gespräche, „wie lange braucht man dafür?“, „ist das nicht sehr pflegeintensiv?“ und so.
Von den Kids bekomme ich schon mal ein „Cooler Bart, Alter“ zugerufen.

Mittlerweile ist der Vollbart ja Kult geworden und es gibt viele tolle Pflegeprodukte, was vor vierzig Jahren noch nicht der Fall war.
Dazu findet sich hier auf den Seiten ja einiges. Bartpflege macht also auch noch Spaß und fördert das Wohlbefinden.
Mein Lieblingsbarbier (Gary vom Gentlemen’s Circle, www.gentlemens-circle.com) ist in Berlin und von Zeit zu Zeit suche ich den auf. Eine Stunde bei ihm ist Wellness pur.
Dazu gibt es immer einen ordentlichen Gin Tonic. Perfect!

#BeardAndShave Bart und Gin, gehört das zusammen?

#HerrmannGrabosch (Lacht) Auf jeden Fall!
Nein, Bart und Gin gehören nicht zwingend zusammen.
Es ergänzt sich aber doch ganz nett.
Jung hält es aber bestimmt. Was hat Hannah Ahrendt gesagt? „Das ICH altert nicht!“

#BeardAndShave Wie bist du auf Gin gekommen?

#HerrmannGrabosch Das ist eine nette Geschichte: Vor Jahren hatte ich Freunde in London, die ich gern und oft besucht habe.
Sie hatten ihr Büro im Haus und jeden Tag wenn sie um 17.00 Uhr ihre Arbeit beendet haben, gab es (nein, keinen High tea!), sondern „A real English Business man’s Drink“.
Das war dann ein Gin Tonic mit einer Scheibe Zitrone.

Damals gab es noch nicht diesen Gin Hype, wie er jetzt herrscht. Es gab entweder Gordons, Finsbury oder Beefeater, die bei weitem nicht diese Finesse hatten, wie sie die heutigen Ginsorten aufweisen.
Einfache, ehrliche Gins, die nach Wachholder geschmeckt haben, zusammen mit dem Tonic von Schweppes.
Dieses Ritual habe ich dann mit nach hause genommen und dort gepflegt.

#BeardAndShave Wie ging es dann weiter mit dem Gin?

#HerrmannGrabosch Wie gesagt, lange Jahre war man ja weit entfernt von dem, was heute auf dem Markt ist und eine wirkliche Beschäftigung damit hat nicht stattgefunden.
Eine weitere „Initialzündung“ ist dann vor einigen Jahren bei einem Mallorcaaufenthalt erfolgt.
In Palma gibt es seit fast 20 Jahren eine nette Cocktail-Bar, das Cafe Atlantico (www.cafeatlantico.es), die viele Gin-Sorten vorhalten und, was für mich neu und überraschend war, etliche Sorten Tonic.
Nach einem vergnüglichen Abend habe ich auch das mit nach hause genommen und mich mit dem Thema näher beschäftigt.

#BeardAndShave Aber du bist immer noch Gin Tonic Fan? Was hat sich in den Jahren verändert?

#HermannGrabosch Es hat sich eine Menge verändert.
Zum einen gibt es mittlerweile unzählige Sorten Gin.
Darunter sind weltklasse Brände und (leider) auch einiges fürchterliches Zeugs.
Da wird man das Gefühl nicht los, dass der Sprit aus dem Tank kommt und Aromen dazu geschüttet werden.
Man muss sich durchprobieren, austauschen, im Netz informieren und im günstigsten Fall Brennereien besuchen.
Es gibt jede Menge Gins, die zu schade sind, um sie mit Tonic zu mischen.
Auf der anderen Seite gibt es welche, die verlangen sogar danach!
Gott-sei-Dank hat sich auf dem Tonic Gebiet ja auch einiges getan. Es gibt würzige, milde, süße, einfache, klare und schrecklich parfümierte (Stichwort: Schokolade! Damit erschlägt man alles!).
Ich tendiere mittlerweile dazu, Gin pur zu trinken, evtl. mit etwas Eis, wie bei einem Whiskey.
Gin Tonic ist eher so ein netter Sommer-Drink für die Terrasse oder einen ausgelassenen Abend mit Freunden.

#BeardAndShave Magst du Empfehlungen für unsere Leser abgeben?

#HermannGrabosch Eigentlich nicht. Das Geschmacksempfinden ist ja immer ein sehr subjektives und wie sagt der Kölner? „Jede Jeck is anders!“.
Ich mag sehr gerne einen Gin aus dem Schwarzwald, bei dem man das Gefühl hat, man schmeckt jedes einzelne Kraut (man sagt ja jetzt: Botanicals) heraus.
Ansonsten mag ich die Gins von Tanquerray (www.tanqueray.com/en-us), die im übrigen auch – immer noch – den guten alten Gordons produzieren.
Bei mir zuhause habe ich inzwischen über 40 Sorten stehen, fahre das aber langsam zurück, weil es drei, vier, fünf Gins gibt, die ich bevorzuge.
Ansonsten gibt es ganz gute Internetportale, auf denen man sich informieren kann, z.B. bei „Gin-Nerds
 
Eine Empfehlung gebe ich zum Schluss aber doch ab:
Am besten geht man in eine gute Bar, lässt sich vom Barkeeper beraten und probiert.
Ich als Lokalpatriot mache das hier in Dortmund in der BALKE, einer der besten gelisteten 100 Bars in Deutschland!

Foto: Wiebke Weinert


1 Antwort

Michael Hankeln
Michael Hankeln

Oktober 26, 2016

Genialer Bart !!!
würde gerne wissen, welchen Barbier der Herr Grabosch in Dortmund empfehlen kann.

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